Mittwoch, 17. Dezember 2008

Ich sitze im Terminal 1 in JFK und warte auf meinen Flug nach Paris… Zeit für ein blog update. (ICH weiß, man kann es kaum noch update nennen… das ist wohl der am Schlechtesten upgedatete blog der bloggeschichte!) Ich hoffe, ich habe trotzdem in mehr oder minder regelmäßigen Abständen über andere Wege von mir hören lassen (Leute, holt euch ein facebook Konto wenn ihr noch keins habt! =). Trotzdem ein kurzer Überblick über die Höhen und Tiefen des vergangenen Semesters – kaum zu glauben, dass es schon vorbei ist!

Montreal mit Theresa

Ein kurzer Blick nach unten zeigt mir, dass hier der Erzählfaden abreißt… Montreal war toll, und Theresa war natürlich noch toller! Wir sind mit einem ganz schicken Mietauto hochgefahren – ein nagelneuer roter Jeep, weil alle anderen Autos schon vermietet waren, haben wir es für den Preis bekommen, den wir gebucht hatten!. Die Fahrt nach Kanada, besonders der Teil durch Vermont war wunderschön, gerade weil gerade die fall foliage angefangen hatte. Wir haben einen Umweg genommen über die Lake Champlain Islands (ich habe nachgeschaut, Lake Champlain ist 180 km lang und 19 km breit, und das nördlichste Stück ragt bis nach Kanada hinein). Eine atemberaubende Strecke mit Blick auf das kristallklare Seewasser mit den Green Mountains zur rechten und den Adirondacks zur linken Seite, man denke dazu bunte Bäume in Farben, die keine Kamera einfangen kann. Landschaflich ist Vermont kaum zu überbieten. Québec war eher langweilig, der spannendste Aspekt war wie die Langeweile ziemlich sofort hinter der Grenze einsetzte – wie ist das möglich, dass Landschaft sich an Landesgrenzen halt? Umso interessanter war es dafür, wieder mit Québecois (Sprache, nicht Leute – obwohl, das auch) in Berührung zu kommen. Als ich bei McDonalds nach dem Weg fragte, holte die Kassiererin Hilfe, weil sie mich offensichtlich nich verstanden hatte – genauso wenig verstand ich dann die Antwort ihrer Kollegen. (Loh vouuu preneh la sortsie o droate)… herrlich. Herrlich war auch unsere Ankunft in der Jugendherberge, die wie wir am nächsten Morgen feststellten, von einem schwulen französischen Aussteigerpaar betrieben wurde. Samstag haben wir den Tag mit Spazierengehen in Montreal verbracht, erst den Mont Royal hochgeklettert (was ich in meiner ganzen Zeit in Montreal 2006 irgendwie nie geschafft hatte) und die wunderschöne Aussicht auf die Stadt und den Saint Laurent genossen, den McGill Campus besucht, shoppen gegangen (mangels Möglichkeiten in Midd), die Altstadt entlangspaziert… es war schön. Der Rückweg hatte dann mehr Überraschungen bereit, als nötig gewesen ware – Kurzversion: Amerikanische Grenzpolizisten sind gemein und umso mehr wann man sein I-20 vergessen hat (ohne das das Visum, das im Pass klebt, nicht ausgestellt wird…). “If you don’t have it, I can’t let you in the country”… right. Wir wissen doch beide, dass das nicht stimmt. Stimmte auch nicht. Nach 1 Stunde warten und einigen unfreundlichen Kommentaren waren wir drin. (Und einem unvermeidlichen bürokratischen Nachspiel, natürlich). Dafür waren die Damen an der Tankstelle dann umso freundlicher, als wir versuchten festzustellen, ob wir unser tolles Auto mit Benzin oder Diesel betanken mussten. Wir waren wieder mit Amiland versöhnt.

Fall break mit Annie in Burlington

Am nächsten Wochenende, Theresa war inzwischen wieder in Deutschland, war dann fall break. Ich hatte ursprünglicherweise nach Montreal gewollt (wieder, ja), aber mangels I-20, das ich nach DC schicken musste, konnte ich bis auf weiteres das Land nicht verlassen.
Letztendlich war das aber das Beste, was passieren konnte, denn ich habe mich dann kurzfristig bei Annie eingeladen in Burlington und wir hatten ein wunderschönes Wochenende. Ich habe mich in Burlington verliebt (ich hatte die Stadt vorher noch nie gesehen), und es war einfach wunderschön, Zeit mit Annie zu verbringen, zu reden, durch Buchläden, Antiquitäten, Boutiquen und andere Kuriositätenläden in Burlington zu stöbern, zu Mittagessen bei Flatbread (so nennen sie, was mehr oder weniger unserer italienischen Pizza entspricht, es ist eine Restaurantkette die unter den Studenten sehr beliebt ist) und Tee zu trinken in einer orientalischen Teestube… Außerdem fiel gerade auf das Wochenende der “Applepicking” Nachmittag der Navis in Burlington: Wir sind auf einen orchard in den Champlain Islands gefahren und haben den Nachmittag mit Apfelplücken, essen, Tiere streicheln, auf dem Flohmarkt streunen und maple sirup cremee essen verbracht. Der perfekte Weg, fall break zu verbringen.

CF Women’s Retreat und IVCF Fall retreat in New Hampshire

Für das Women’s Retreat sind wir in ein Haus in South Burlington gefahren, dass un seine CF alumna zur Verfügung gestellt hatte. Allein das Haus war die Reise wert – es wurde schon in Homes and Gardens porträtiert und die Shelburne Teddy bear factory hat ihren Katalog dort fotografiert… das Haus war riesig, und hatte einen spektakulären Ausblick auf Lake Champlain und die Adirondacks im Hintergrund. Nicht zu vergessen der whirlpool im ersten Stock und der Riesen-Plasma Fernseher… wovon wir natürlich reichlich Gebrauch gemacht haben. Es war einfach schön, Zeit mit den Mädels zu verbringen.

Das IVCF retreat in New Hampshire war zwar weniger luxoriös (obwohl man sich nicht beschweren konnte – vom Standard der Unterbringung her sind die Freizeiten hier unseren brandenburgischen Sumpflöchern doch unermesslich überlegen), aber aus anderen Gründen eine tolle Erfahrung. Unis aus ganz Vermont und New Hampshire waren dabei, und obwohl ich dem speaker nicht viel abgewinnen konnte, war die Freizeit als Ganzes eine sehr eindrückliche Erfahrung. Die band war toll, vor allem aber hat es wahnsinnig gut getan (und auch der Gruppendynamik gutgetan, denke ich), viel Zeit miteinander zur verbringen und zu diskutieren. Die Freizeit war so ausgelegt, dass den verschiedenen Campusgruppen viel Zeit mit einander zu ermöglichen, und das war toll. Wir hatten gute Diskussionen und viel Gelegenheit, über alles Mögliche zu reden und sind als Gruppe wirklich zusammengewachsen. Das hat sich auch fortgesetzt in den Alltag zurück auf dem Campus.



Memorial und Pizza bei Pastor Steve

Ein weiteres konstantes highlight ist Memorial. Was mir an der Kirche wirklich gefällt, ist dass die Leute sehr interessiert aneinander sind und auf einander achten. Pastor Steve kannte nach zwei Wochen meinen Namen – und das ist für einen Amerikaner wirklich eine Leistung, und ich sage das ohne Ironie! – und die Kirche insgesamt bemüht sich auch sehr um die college students. Ab und zu gibt es “cookies for College students”: Frauen aus der Kirche stellen sich hinter den Herd, um für uns cookies zu machen! Und wir kriegen dann Sonntag eine dicke Tüte mit cookies in die Hand gedrückt – unglaublich!
Pastor Steve und seine Frau Cathy laden außerdem regelmäßig die Studenten zu Pizzaessen ein. Wir waren vor einigen Wochen da, haben Pizza belegt, gebacken und “leaf jumping” gemacht… einen riesigen Haufen Blätter zusammengeharkt, und nach einander hineingesprungen! (Ja, es gibt Fotos. Facebook. =)


Oh je, ich sehe gerade, es bildet sich eine lange Schlage vor Gate 5… I better go.
Ich freue mich so sehr, euch alle zu sehen – in weniger als 12 Stunden!!!

Freitag, 3. Oktober 2008

Kitsch as Kitsch can! Ein süßer kleiner Laden in Middlebury in dem Theresa und ich ungefähr eine Stunde verbracht haben... und ich sie überzeugen konnte einen 20 Dollar Schüsselauskratzer zu kaufen in Form eines Zeigefingers. Herrlich.



Middlebury im Herbst.
















Der Middlebury Bookstore, in dem man u.a. Obama und McCain Anziehpuppen kaufen kann. (Sie haben mehr Obama als McCain vorrätig. Wir sind in Vermont.)

1 Nav retreat, Work hard Play hard, und 1 Besuch von Theresa

Gewisse Leute haben sich beschwert, dass ich diesen blog zu selten update... also gibt es heute einen kurzen Einblick in das work hard/play hard Leben hier in Midd, samt einiger "Highlights" der vergangenen Wochen (in guter alter freikirchlicher Rundbrieftradition...ne, Christine? :)

Achja, aber ich wollte ja auch noch meine neuesten kulturellen Einsichten mitteilen.
1. Gummistiefel sind wieder IN. Neongrün, silbern, oder schwarz mit gelben Punkten... in allen Variationen zu haben und bitte, ÜBER der Hose getragen. Wie praktisch, dass es quasi ohne Unterbrechung regnet. Ich bin sehr gespannt ob es diese Mode über den Teich schafft. Ils sont fous, les Amis.

2. Legit ist das neue cool. Ehrlich. Kein Mensch sagt mehr "cool". Was mich zu der Überlegung veranlasst hat, ob das auch eingedeutscht wird... interessanterweise wird das in beiden Sinnen des Wortes, also im ursprünglichen (legitim = z.B. legitimate concerns = legit concerns) UND im übertragenen Sinne verwendet = cool. Legit.

3. Das Äquivalent von "Bib" ist "libs". Interessant das Studis auf der ganzen Welt das Bedürfnis haben, dafür eine Abkürzung zu finden.

... to be continued.

Was mich zu meinem zweiten Punkt bringt, dem Leben hier in Midd. Nachdem ich gefragt wurde, was ich eigentlich den ganzen Tag mache - also hier ein kurzer Überblick über meinen Tagesablauf.

Montag:
8:50 Aufstehen.
9:05 Portugiesisch
10:10 Int'l Humanitarian Action
... Bib, Text zu Ende lesen für
12:15 War and Peace
... grab lunch
14:00 Oma und Opa anrufen.
... Rest des Tages in der Bib verbringen.
1:00 Bett.

Dienstag:
9:15 Aufstehen
9:30 Portugiesisch
... Bib, lunch, Bib
15:00 Separation of Church and State
... Rest des Tages in der Bib verbringen.
1:00 Bett.

Mittwoch genauso wie Montag, Donnerstag genauso wie Mittwoch, außer das Mittwoch abends die "C-Night" der CF (Christian Fellowship) Mädels ist, eine Stunde quatschen mit Brownies und Tee und dann zurück in die Bib; und Donnerstag abend das Großgruppentreffen der CF (The Source).

Freitag nur morgens Portugiesisch, Rest des Tages in der Bib. Vielleicht ein Film abends.

Samstag ganzen Tag in der Bib. Vielleicht ein Film abends.

Sonntag Gottesdienst, Rest des Tages in der Bib.

... das ist es so ziemlich... work hard.
Den play hard Aspekt, der hier in Midd ZIEMLICH stark ausgeprägt ist (Kommentar von Theresa Dienstag morgen in Portugiesisch: Du, der Typ war noch high) lebe ich auf andere Art und Weise aus - nicht, dass ich nichts von den Partys mitbringen würde, mein Zimmer ist direkt gegenüber von der "Disko" (die tagsüber eine dining hall ist).
Dafür war ich vor zwei Wochen auf einer Freizeit von den Navis (christliche Studentenorganisation) in Burlington, was mich zu Punkt 3 bringt.

3. Highlights der vergangenen Wochen.

3.1 Das Navi-Retreat

War herrlich. Ich war für ein Wochenende zusammen mit der Navi-Gruppe auf ihrer jährlichen Herbstfreizeit auf einer Insel im Lake Champlain, der riesige See der sich durch 3/4 Vermont zieht, und wohl über 100 Meilen lang ist. Die Gruppe kannte ein Ehepaar, dass ein "gymnastics camp" dort betreibt und dafür ein nettes Holzhaus direkt am See hat. Mit Kamin, gemütlichem Wohnzimmer, Steg und der Möglichkeit, Wasserski zu fahren!!
Abgesehen davon, dass es einfach schön war, mal aus Midd rauszukommen, hat es Spaß gemacht, die Leute kennenzulernen die wirklich alle supernett und sehr aufgeschlossen waren. Das Beste war, dass ich bei dieser Gelegenheit auch Colin's Freundin (*Colin = Ami der letzes Jahr in Berlin war) kennengelernt habe, was für ein "Zufall", dass sie gerade in der Gruppe war! Wir haben uns super verstanden und so war es perfekt, schon jemanden irgendwie zu kennen.
Die Gruppe war auch echt lustig, Freitag abend haben wir uns am Kamin versammelt und gespielt, Samstag morgen wurde dann jeder mit der Aufgabe, Korinther zu lesen, allein gelassen (und einem Heft voller anregender Fragen dazu). Nach dem Mittagessen wurden dann die "Navolympics" aufgezogen- mitsamt einem Spiel dass irgendetwas mit "pooping" heißt und dessen Aufgabe darin bestand, einen Nagel, der an einer Schnur hängend um den Bauch gebunden wurde und dann hinten hinunterhing in einen Bierflaschenhals zu manövrieren, und dass in einem Parcours von 6 Bierflaschen. Zu dieser Aufgabe hatte ich mich zum Glück NICHT freiwillig gemeldet. Aber zum Zuschauen war's herrlich.
Der Nachmittag wurde dann mit Sonnen, Lesen und Wassersport verbracht und ICH BIN WASSERSKI GEFAHREN!!! Ehrlich. Ich habe es sogar geschafft aufzustehen. Um dann prompt hinzufallen und mir mit dem Ski von hinten an den Kopf zu schlagen. Das tat weh. Aber immerhin!
Der Abend wurde dann in den Kleingruppen verbracht, in denen Korinther besprochen wurde; und anschließend gab es ein Lagerfeuer und Smores!
Sonntag wurde gefrühstückt, noch einmal in Kleingruppen zusammengekommen und dann das Haus geputzt. Voilà!

3.2 Theresa ist da!!!
Das ist ein sehr neues highlight, beziehungsweise ein noch andauerndes highlight. Montag abend kam sie an, und hat seitdem (siehe Punkt 1.) mein Leben mitgemacht, mit einer kurzen Unterbrechung Mittwoch nachmittag, als wir uns zwei Stunden genommen haben um in der Stadt spazieren zu gehen (Fotos kommen). Das war wunderschön, gerade weil das Dorf mit den Herbstbäumen in der Abendsonne einfach bezaubernd aussieht. Und für mich war es gut eine Pause zu machen, nachdem ich Montag und Dienstag je ein paper abgeben musste und ziemlich fertig war.

Jetzt ist Freitag und wir picken gleich unser Mietauto up (94 Dollar für das ganze Wochenende!! Das mussten wir einfach ausnutzen) um nach Montreal zu fahren!!

Mehr später...

ganz liebe Grüße!
Ulrike

Donnerstag, 11. September 2008

Emily's Vater ist ein Marine... also haben wir auf der Stadtrundfahrt am Pentagon Halt gemacht und waren am Marine Corps War Memorial, das das Hissen der amerikanischen Flagge am Mount Suribachi in Japan zeigt (nach dem berühmten Foto - das übrigens nachgestellt werden musste, da beim ersten Hissen der Flagge kein Foto gemacht wurde).


Unten: Emily's Famile: Steve und Dana, und ihr Bruder Matt mit seiner Frau Allison (und Maizie!)














links: Otter Creek Falls

rechts: Mead Chapel (Middlebury Campus)
















Main Street.

Erste Woche in Middlebury - Anfang 09/08

Willkommen in meinem gerade gestareten (!), gewissermaßen ganz frisch angelegten Blog. Ich musste eben einen Titel für diesen Blog eingeben und da kam mir ganz spontan dieses geniale Wortspiel -- und es ist nicht übertrieben, das hier IST the middle of nowhere. Seriously.

Ich bin inwzischen seit fast genau 2 Wochen in Amiland. Das erste Wochenende habe ich in D.C. mit Emily und ihrer Famile in D.C. verbracht. Da Emily noch auf einer Hochzeit war, als ich ankam, hat mich ihre Mutter vom Flughafen abgeholt, und ich habe Freitagabend und Samstag morgen mit Dana verbracht, was wirklich schön war. Ihre Mutter, wie Emily und ihre ganze Familie ist einfach total nett. Die Zeit mit ihnen hat mir viel Spaß gemacht... und das nicht nur wegen ihrem überdimensionalen Fernseher mit der bequemen Couch davor, die sich auf Knopfdruck auszieht oder dem tollen Apparat im Waschbecken, dass die Gemüsereste zerhäxelt, bevor sie ins Abwasser fließen (ich hab schon wieder vergessen, wie das heißt)... genauso wie der Kühlschrank, der auch Eis spendet, oder der Bagelteiler (sic!!) eine typisch amerikanische weil vollkommen unnötige aber irgendwie doch nette Erfindung :). Und wir waren bei Costco, das genauso typisch amerikanisch überdimensioniert ähnlich wie Metro in Deutschland (nur weiter verbreitet) Essen und allerlei andere Nützlichkeiten in riesigen Quantitäten verkauft, damit die Leute dann mehr essen, als sie normalerweise würden, und anschließend schnell zurückkommen um wieder mehr zu kaufen als sie eigentlich brauchen. Das ganze Mehr als sie eigentlich brauchen wird dann von einer schwarzen (slash chinesischen slash Latina) Kassiererin eingescannt bevor der Chinese (slash Latino) es einpackt. Was mich dann zu meinem nächsten Punkt service in den USA führen würde (toll!!) , worauf ich dann wiederum auf Arbeiterrechte (nicht so toll) zu sprechen kommen würde... anyway.

Jedenfalls habe ich die Zeit mit den Franklins wirklich genossen. Sie hatten noch die Schwiegertochter samt ihren Eltern zu Gast, und es war einfach schön, am Familienleben teilhaben zu können. Wir haben, als Emily dann wieder da war, pottery gepainted (sorry, es wird einiges Denglisch geben, da ich dazu tendiere, sowas hier zu machen wenn ich zu müde bin um zu denken) und waren am Sonntag (s.o. - Arbeiterrechte und service :) bei Target um Ausstattung zu kaufen für mein Zimmer. Bettzeug, Lampe, Kissen, Bilderrahmen, Kerzen, Teppiche... wofür ich später sehr dankbar war. (Emily!! :) Ach und ich habe mir einen lebenslangen Traum erfüllt und mir eins von diesen Kissen gekauft, die Arme haben... so eins wollte ich haben, seit ich es bei Hannah gesehen habe, als ich sechs (vielleicht sogar früher?) war. Toll.

Montag war Labor Day, und es gab zu Emily's Ehren, als Vor-Geburtstagsfeier quasi, ein Barbecue. Herrlich... Emily's Mutter hatte einen "German chocolate upside down cake" mit Kokusnuss und pecan gemacht... YUM.

Dienstag ging es dann los nach Middlebury, eine Fahrt von ca. 8-9 Stunden. Während der erste Teil der Fahrt durch ziemlich urbane Gebiete ging (Baltimore, Philadelphia, New York City), war ich während der restlichen Fahrt in erster Linie davon beeindruckt, dass es einfach NICHTS gab. 5 Stunden lang durch New York State, alle zwanzig Meilen mal ein exit, und es gibt keine Stadt, außer vielleicht Albany. Dafür wurde es dann aber wirklich hübsch, je weiter wir nach Norden kamen, von der Vegetation hier sehr ähnlich wie Schweden. Seen, kristallklarer Himmel, Felsen in der Landschaft, Wälder... wunderschön.

Middlebury selbst ist wirklich eine süße kleine Stadt, beziehungsweise Dorf. Sehr Gilmore Girls... rote kleine Backsteinhäuschen dominiert von einer weißen Kirche auf einem Hügel - ich habe gelernt, dass bei der Besiedlung Neuenglands die Kirche stets als erstes gebaut wurde, einerseits aufgrund ihrer religiösen Bedeutung, aber auch, weil sie andere Funktionen wie zB für Town Hall meetings erfüllte - und einem grünen Rasen im Zentrum, inklusive diesem weißen Häuschen, in dem im Sommer auf Festen getanzt wird (Gilmore Girls! Es gibt auch einen Namen dafür, habe ihn vergessen...). In der Stadt gibt es viele kleine Läden, die alles mögliche, von Büchern über Kitsch über alternative Klamotten und Antiquitäten verkaufen (Holy Cow, inc.). Und einen Fluss, der sich jenseits der Brücke in einen Wasserfall ergießt.
Trotz seiner Größe also ein netter Ort.

Auch der Middlebury-Campus ist wunderschön. Er ist sehr weitläufig, sodass man viel läuft, aber sehr grün und lässt viel Platz zum Spielen und relaxen (wie auf "Battell Beach", einer Wiese in der Mitte des Campus, die von Trauerweiden umgeben ist und auf der zu Anfang des Semesters ein Tanzzelt aufgebaut wurde, das für Konzerte und Barbecues benutzt wurde). Obwohl die Uni relativ klein ist (2,300 Studenten) gibt es viele Häuser und Gebäude, die alle sehr klassisch wirken. Immerhin ist das College über 200 Jahre alt. Die Bibliothek ist ein wahrer Traum - Terasse, Sessel, die sich zurücklehnen lassen, lange Holztische mit Lampen, an denen man in Wohnzimmeratmosphäre arbeiten kann, eine riesige DVD-Sammlung, die man ohne Probleme in "screening rooms" auf bequemen Stühlen auf einem Flachbildfernseher schauen kann...
Auch die dining halls sind bemerkenswert. Meine Lieblingsmensa hat einen Ausblick durch eine große Glasfront auf die grünen Hügel des Champlain Valley. Vom Essen ganz zu schweigen... es fängt beim Frühstück mit einer Auswahl von pancakes, French toast, Bagels, etc. an, Mittags und Abends gibt es eine frische Salatbar, und sowohl Fastfood wie Pizza/Hamburger/Hot Dogs als auch nettere Sachen wie Hühnchen an Sojasauce und Limetten... und zum Nachtisch cookies, peach cobbler, oder man bedient sich einfach an der Eisbar oder Softeismaschine. Und all das FOR FREE! :)

Was die Kurse betrifft, bin ich sehr zufrieden. Ich mache zwei "PoliSci"-Seminare (War and Peace und Int'l Humanitarian Action), einen Kurs im Religion-Department (Separation of Church and State) und Portugiesisch 101. Die Professoren sind wirklich nett und sehr engagiert. Es hat mehr Unterricht-Charakter als in Deutschland, also eher Frontalunterricht unter reger Einbeziehung der Stundenten, aber eher im Frage-Antwort-Format. Mir gefällt das sehr gut, das vermeidet endlose Diskussionen, die nirgendwo hin führen. Ich nehme Kurse sowohl im 200-er Bereich (wo also hauptsächlich freshmen und sophomores sitzen) als auch junior- und Senior-Kurse. Der War and Peace Kurs macht viel Spaß, da dort fortgeschrittene Stundenten sitzen (Auch wenn neulich im Kurs das Argument gemacht wurde, die EU könne nicht als Beispiel für Frieden durch ökonomische Integration gelten da sie nicht einmal ihre eigenen Mitglieder gegen Aggressionen verteidigen könne- siehe Georgien. Ja. Derjenige hat sich übrigens später bei mir persönlich entschuldigt dafür, dass er dachte, Georgien sei Mitglied der EU... was ich wiederum komisch fand.), der 200-er Kurs ist zwar im lecture-Teil sehr interessant, aber während der Diskussion neulich währe ich fast eingeschlafen... ehrlich.
Der Leseaufwand ist noch zu bewältigen, aber da kommt sicher noch einiges.

Ach, und heute war ich bei dem InterVarsity Barbecue (irgendwie gibt es hier für alles Barbecues...). Die Leute scheinen alle sehr nett zu sein, ein bisschen überdreht teilweise, aber ich glaube, so sind die hier alle... Wir haben gesungen (Amis können singen!!) und es gab einen message-Teil, der wirklich gut war.

Soweit erstmal... ich schaue mal, ob ich Fotos hochladen kann oder so.

Viele liebe Grüße, ihr fehlt mir!